Um Coronas Willen...


Hallo zusammen,


heute möchte ich ein paar Gedanken zur Corona-Situation loswerden. Vielen Dank an meine ersten fleißigen Leser, die sich das Thema gewünscht haben. (Liebe geht raus an euch <3)


Angefangen hat das ganze für mich vor über einem Jahr, Ende Februar. Ich durfte nach einer schweren Grippe nicht mehr zur Schule und anfangs fand ich das Ganze ja noch ganz lustig. Endlich mal Ruhe zu haben, nicht früh aufstehen zu müssen, ihr wisst sicher was ich meine…

Mit der Zeit hat sich das Blatt (schneller als erwartet) gewendet und die Panik kam hoch. Kurz vor dem Abi, mittlerweile 13 Klausuren verpasst und kein Ende in Sicht, dass sich die Situation beruhigt.

Aus der Panik wurde eine tiefe Hilflosigkeit. Keiner kennt sich aus und die Reaktionen - auch in der Gesellschaft - sind ganz unterschiedlich ausgefallen. Während sich bei den Ersten Trotz und Wut aufgebaut hat, haben Andere mit ihrer Angst vor Ansteckung oder Trauer durch Einsamkeit zu kämpfen gehabt. Und das schlimmste dabei für mich: jeder hat nur seinen eigenen Blickwinkeln gesehen. Ich hatte das Gefühl niemand war mehr im Stande, sich in sein Gegenüber hineinzuversetzen. Auf einmal waren alle anderen (Länder, Politiker, Prominente, …) die Bösen und die Welt hat sich für mich selten so unstet angefühlt.


Nach dem eher ruhigen Sommer habe ich angefangen zu studieren und mit einem Schlag ins Gesicht feststellen müssen, dass die zweite Welle nicht besser wird als die erste. Im Gegenteil: die Gesellschaft ist in meinen Augen gespaltener als zuvor und Freundschaften oder Familien leiden unter dem Wahn an verschiedensten Theorien, wieso, weshalb, warum alles so ist, wie es ist. Es macht mich traurig zu sehen, dass Menschen fähig sind oft alles andere hintenanzustellen, um nicht von ihrer eigenen Meinung abtreten zu müssen.


So habe ich lange empfunden. Hinzu kam, dass ich das Gefühl hatte mich von dem Jammern und Klagen herunterziehen zu lassen. Ich habe angefangen mich zu fragen, wieso wir nicht fähig sind, sachliche Diskussionen anzunehmen und wieso reagiert jeder auf verschiedene Maßnahmen weltweit so unterschiedlich? Ich habe lange darüber nachgedacht und bin nach vielen Gesprächen zu dem Schluss gekommen, dass uns immer noch eines verbindet: wir sind traurig. Traurig unser gewohntes Leben aufgeben zu müssen, traurig dass wir Freunde und Familie nicht sehen können, traurig, weil wir das Gefühl haben die Kontrolle zu verlieren über uns und unser Leben.

 

Es wäre leichter den anderen zu verstehen, wenn wir uns die 4 Phasen der Trauer bewusst machen würden. Ich denke man kann diese auch auf das Jetzt anwenden:


1. Nicht wahrhaben wollen – Leugnen, Verneinen, Ablehnen

2. Emotional werden – Wut, Zorn, Trauer

3. Verhandlung – Auseinandersetzen mit der Situation

4. Akzeptanz – Aufbauen eines neuen Selbst- und Weltbezugs

 

Als ich mal darauf geachtet habe, meine Mitmenschen und deren Äußerungen in diese vier Phasen einzuordnen, habe ich gemerkt, dass wir alle ganz unterschiedlich weit sind und die Schritte unterschiedlich intensiv durchleben. Während die einen noch in Phase eins stecken, dafür sogar ihre Liebsten verlassen, stecken andere vielleicht in Phase 2 fest und hassen alles und jeden und vor allem die Politiker und am liebsten würden sie schreien und weinen und machen, dass alles wieder gut ist.


Was ich euch mitgeben will und was ich mir wünsche für die weitere Zeit, in der wir damit noch konfrontiert sein werden, sei sie kurz oder lang, ist, mehr aufeinander einzugehen. Die Sicht des anderen mehr zu verstehen. Aufzuhören andere bekehren zu wollen, sondern lieber darüber nachzudenken, was der andere gerade brauchen könnte.

Nutzt die Zeit, die ihr allein verbringt, nicht damit, euch in Nachrichten zu stürzen, sondern beobachtet, lernt euch selbst kennen und akzeptiert die aktuelle Situation wenigstens teilweise, akzeptiert euch selbst und so auch eure Mitmenschen. Nur wenn wir die Zeit zur Selbstreflexion nutzen, können wir später sagen, dass wir stärker daraus hervorgegangen sind und es vielleicht gar nicht geschadet hat, sich mal fast zwie Jahre mit sich selbst auseinander setzten zu müssen. Ich habe die letzten Monate viel Zeit damit verbracht, das Gute in dieser Pandemie zu sehen, auch wenn es nicht immer das offensichtlichste ist.

Es hilft. Ich denke, es hilft euch auch <3


Ich wünsche euch viel Kraft und hoffe, ihr könnt eine positive Einstellung zum Jetzt und zu euch selbst gewinnen.

Ich freue mich, eure Gedanken dazu zu lesen.


Fühlt euch gedrückt,

Eure Julia

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